Ruth Kehl 17.10.2013 - NZ "Hungrige Stühlinger"

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Ruth Kehl 17.10.2013

die Zunft > trauert um
 
 

Beerdigung Ruth Kehl am 25.10.13

Liebe Trauerfamilie,
sehr geehrte Trauergemeinde,

innerhalb eines halben Jahres hat die Narrenzunft Hungrige Stühlinger ihren Narren-Pfarrer, ein Ehrenmitglied und nun ihre wohl bekannteste Persönlichkeit verloren, unser Ehrenmitglied und Narrenmutter Ruth Kehl. Als Zunftmeister spreche ich ihnen liebe Angehörige im Namen aller Zunftmitglieder und im Namen des Trachtenvereins Stühlingen unser aufrichtiges Beileid aus.
Für Ruth war die Fastnacht was ganz besonderes und hat einen großen Teil ihres Lebens eingenommen. Sie ist in einem wahren Narrennest aufgewachsen und so war es nicht verwunderlich, dass sie zu einer der wichtigsten und vor allem bekanntesten Närrin unserer Zunft wurde.
Ihre närrische Zeit begann bereits als Schulkind nach dem Krieg im Jahre 1946. Seinerzeit durfte Ruth mit den anderen Kindern und dem Städtlenarr Franz Schölderle von Geschäft zu Geschäft ziehen um Fastnacht machen. Am 11.11.1948 durfte die 18jährige Ruth mit ihrem Vater in die Germania, dem heute Café Bruder. Dort trafen sich verschiedene Handwerker um die Stühlinger Fastnacht neu zu beleben. Ruth hat somit als einzige Person die komplette närrische Zeit nach dem Krieg selbst miterlebt und vor allem mitgestaltet.
Im folgenden Jahr 1949 wurde die Fasnacht von Hansi Körber organisiert und Ruth durfte mit dem Prinz Karneval als Prinzessin auf der Kutsche mitfahren. In der damals gegründeten Trommlergarde war Ruth ebenfalls Mitglied.
Ihr erstes Narrentreffen erlebte Ruth mit den Stühlinger Narren 1954 in Laufenburg.
Im Jahr 1958 übernahm das Wieberregimet die Leitung des Vereins, da sich keine männliche Vorstandschaft mehr fand. Sie haben das Stühlinger Narrenschiff wieder auf Kurs gebracht und die Amtsgeschäfte 1960 an Paul Maier übergeben. Natürlich war unsere Ruth aktiv mit dabei.
Paul Maier wurde Narrenpräsident und Ruth übernahm den Posten des Schriftführers und des Säckelmeisters. Am Fasnetmendig wurden die Röllis im Hause Kehl verköstigt. Hierbei und an den Fasnachtstagen kümmerte sich Ruth besonders um den Narrensamen, was ihr den Titel „Narremueter" einbrachte. Nach der Gründung der Narren-Wecker waren auch diese jährlich Gast bei Ruth in der Bahnhofstrasse. An solchen Tagen war Bertel Mack immer im Hintergrund für Ruth aktiv.
Ruth hat in den 70iger und 80iger Jahren mit dem jeweiligen Zunftmeister viele Kontakte geknüpft, die wir heute noch nutzen. Sie hat an närrischen Empfängen viele Küsschen verteilen und auch gerne empfangen. Sie hat ihre Narrenfreunde herzlich begrüßt und dann oft gemeint: „ und des isch übrigens min Zunftmeister."
Im Jahr 1978 fuhr Ruth mit einem Teil unserer damaligen Vorstandschaft nach Hohentengen um mit anderen Zünften über die Gründung einer Narrenvereinigung zu beraten. Bei der Gründungsversammlung in Erzingen wurde sie zur Kanzelarin bestellt und die Geschäftsstelle der Vereinigung wurde bei ihr in Stühlingen eingerichtet. Diese Tätigkeit erfüllte sie 24 Jahre bis ins Jahr 2002.
Während ihrer Tätigkeit in der Narrenvereinigung Kleggau hat sie an allen Narrenempfängen in Stuttgart und Freiburg teilgenommen. Als erste Närrin erhielt Ruth deshalb im Regierungspräsidium in Freiburg den „Basler-Hof–Orden" vom damaligen Regierungspräsidenten Sven von Ungern-Sternberg überreicht.
Natürlich war Ruth als Narrenmutter an der Organisation des Narrentreffens 1981 und am Ausbau der Zunftstube im selben Zeitraum beteiligt.
1988 läutete Ruth den Generationswechsel in der Narrenzunft ein. Sie legte ihre Ämter als Säckelmeister und Narrenmutter nieder. Spontan meinte einer der Anwesenden: „Ruth du wirsch immer usri Narremueter bliebä." Ruth wurde zur Narrenmutter auf Lebzeiten ernannt. Bei einer kleinen Feier in unserer Zunftstube wurde sie zum ersten Ehrenmitglied der Narrenzunft Hungrige Stühlinger.
Ruth war bis zuletzt aktives Mitglied und hat die Narrenzunft solange es ihr möglich war zusammen mit den „Spätlese-Narren" unterstützt. Durch Ihren Bekanntheitsgrad war sie eine wichtige Botschafterin für die Narrenzunft Hungrige Stühlinger und für die Stadt Stühlingen. Wir können wirklich behaupten: „Unsere Ruth ist im ganzen Land bekannt".
Im Jahr 2012 war ich selbst mit anderen Vertretern unserer Narrenvereinigung in der Villa Reizenstein zum Narrenempfang des Ministerpräsidenten. Leider ohne unsere Ruth und deshalb wurde ich im 20 Minuten Takt gefragt wo die Ruth sei und wie es ihr geht.
Als Jugendlicher erlebte ich vor 15 Jahren zum ersten Mal wie bekannt Ruth wirklich ist. Als wir nach dem Umzug, des Gottmadinger Narrentreffens, an den Bus gelaufen sind, um in Richtung Stühlingen zu fahren, hielt neben Ruth eine große schwarze Mercedes Limousine an. In der Limousine saß der damalige Ministerpräsident Erwin Teufel, der es sich nicht nehmen lassen wollte, sich persönlich von Ruth
zu verabschieden. Er stieg aus dem Auto und mit Küsschen links und Küsschen rechts wurde der Abschied von diesem Narrentreffen besiegelt.
Für ihr 65 jähriges Engagement für die Stühlinger Fastnacht und ihren unermüdlichen Einsatz wollten wir sie am Jubiläumsfest, dem 10.01. dieses Jahres, ehren. Leider war es uns nicht mehr vergönnt, diesen Abend mit ihr gemeinsam zu verbringen, da ihr Gesundheitszustand einen Aufenthalt im Konradsaal nicht mehr erlaubt hat.
Liebe Ruth, nun hast du deine letzte Reise angetreten und ich darf dir ganz ehrlich sagen, dass wir dich sehr vermissen werden.
Als Zunftmeister der Narrenzunft Hungrige Stühlinger möchte ich dir heute im Namen aller Närrinen und Narren, besonders auch deiner Freunde den „Spätlese-Narren", aber auch aller Menschen die du irgendwann erfreut hast „Danke" sagen für all die schönen und lustigen Momente die wir mit dir erlebt haben.

Wir werden dein Andenken ehren und werden dich nie vergessen.
Liebe Ruth ruhe in Frieden.

 
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